Nach 16 Jahren schloss kürzlich der Hanfladen Growland. Die Geschichte des «Growland» erzählt auch die Geschichte des Umgangs mit Hanf in der Stadt Bern. Vor Jahren gab es bis zu 40 Hanfläden – heute findet der Handel wieder auf der Gasse statt.

Growland im Keller: Wo früher «Duftsäckli» verkauft wurden, schreitet heute die Polizei schon wegen Samen ein. (Adrian Moser)

 Growland im Keller: Wo früher «Duftsäckli» verkauft wurden, schreitet heute die Polizei schon wegen Samen ein. (Adrian Moser)

Es ist still geworden um die Kiffer und Hanflädeli. Der vorläufig letzte Höhepunkt in der Legalisierungsfrage war die Ablehnung der Hanf-Initiative im Herbst letzten Jahres. Füllten auch in der Stadt Bern vor Jahren Razzien gegen Hanfläden noch ganze Zeitungsseiten und gaben Anlass zu Kommentaren auf der Frontseite, so wurde die (bislang) letzte Schliessung des Berner Hanfladens Growland im vergangenen Oktober in einer kurzen Notiz vermeldet.

Das «Growland» kann als Exempel für die Berner Hanfgeschichte herangezogen werden: 1993 gegründet, verkaufte es wenig später sogenannte «Duftsäckli», was schweizweit kopiert wurde. Die Verkäufer glaubten, eine Gesetzeslücke entdeckt zu haben. Statt Betäubungsmittel verkaufte man ein Wellness-Produkt, von dem alle wussten, dass es zu Hause zu Joints verarbeitet und nicht als Duftmarker ins Bad gehängt wurde. Bald machte das «Growland» grosse Umsätze mit Outdoor-Hanf, also Hanf, der im Freien gezogen wurde. In anderen Hanflädeli war es auch möglich, Indoor-Hanf zu kaufen, der viel stärker ist und unter Kunstlicht aufgezogen wird. «Vielen Konsumenten war wohl nicht klar, dass Hanf trotzdem illegal war», sagt Alec von Graffenried heute. Er war von 2000 bis 2007 Berner Regierungsstatthalter und befürwortete 2002 die Schliessung von Hanfläden, obwohl er als Grüner auch für die Liberalisierung des Betäubungsmittelgesetzes war. «Die ganze Romandie kaufte in Bern ein, es war mir völlig klar, dass es so nicht weitergehen kann.» Altstadtbewohner erinnern sich vielleicht noch an die jungen Welschen, die samstags nach dem Weg zum nächsten Hanflädeli fragten.

Von der Blüte zum Rauch

Andrea Stafforte, der zu zwei Jahren Gefängnis verurteilte Besitzer des «Growland» (bis 2007), hat vor Kurzem eine Erklärung in «eigener Sache» an die Medien verschickt. Darin kämpft er für die Legalisierung von Hanf, gegen jegliche Behörden und ruft zum Spenden auf für seinen Auftritt vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. Die Bestätigung seiner Verurteilung durch das Bundesgericht am 26. August 2009 empfindet er als falsch. Zurzeit weilt Stafforte in Nepal, wo er sich um sein Hilfsprojekt kümmert. Den Marschbefehl ins Gefängnis hat er noch nicht bekommen.

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