Wasserpfeife 1320

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

Der erste „Krieg“ gegen Haschischraucher, die Inquisition und Cannabis gegen Furzen… Die kulturelle Entwicklung der Holländer, Spanier und Briten ohne Hanf? Dichter, Denker und Herrscher nutzen das Kraut – ja, es ersetzt sogar die pekuniäre Abgeltung der Steuern. Folgen Sie mir durch eine spannende Zeit…

Die Antike: Medizin und erste Erkenntnisse
20 n. Chr.
Hinweis in den **Tung-kuan Archiven**, dass während Hungersnot wilder Hanf gegessen wurde. Bereits in der frühen Kaiserzeit Chinas diente Cannabis als Notnahrung in schweren Zeiten.

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

50 n. Chr.
**Plinius** erwähnt Cannabis als Heilmittel für Ohrenschmerzen und als Futterzusatz für Vieh, das unter Verstopfung leidet. Plinius‘ **Naturalis historia** dürfte, was das Ausmaß ihrer fast zweitausendjährigen Wirkungsgeschichte angeht, nur noch von der Bibel übertroffen werden. Das ganze Mittelalter hindurch war die Naturalis historia Grundlage naturkundlichen Wissens.
ca. 70 n. Chr.
**Neros Leibarzt Dioscorides** macht „Aufzeichnungen“ über die Anwendung von Hanfprodukten, von der Faser bis zur Droge. Vereinzelte Berichte aus Griechenland über die berauschende Wirkung. Dioskurides gilt als der größte Pharmakologe des Altertums. Seine Arbeit **“De Materia Medica“** hatte bis über das Mittelalter hinaus maßgeblichen Einfluss auf die europäische Heilmittelkunde.
Dioscorides über Cannabis:

Gebauter Hanf – Cannabis sativa: „Eine Pflanze, welche im Leben viel Verwendung findet zum Flechten der kräftigsten Stricke. Grün zu Saft verarbeitet und eingeträufelt ist sie ein gutes Mittel gegen Ohrenleiden.“

Wilder Hanf – Althaea cannabina: „Die gekochte Wurzel hat als Umschlag die Kraft, Entzündungen zu lindern, Ödeme zu verteilen und verhärtete Knochengeschwülste zu erweichen.“

150 n. Chr.
**Schweden beginnt mit dem Hanf-Anbau**. Die nordischen Länder entdecken die vielseitigen Eigenschaften der Hanfpflanze für Textilien und Seile.
175 n. Chr.
Der griechische Arzt **Galen empfiehlt Cannabis als Mittel gegen unliebsames Furzen**. Außerdem dokumentiert er, dass es mancherorts Sitte sei, geladenen Gästen Hanf (als Droge) anzubieten; es rufe **“Ausgelassenheit und Vergnügen“** hervor.
ca. 220 n. Chr.
Der chinesische Arzt **Hua-t’o** beschreibt seine erfolgreiche Anwendung einer Mischung aus Wein und Cannabis-Harz als **Anästhetikum bei chirurgischen Eingriffen**. Es ist möglich, dass es sich dabei um eine Kombination von Stechapfel mit Hanf gehandelt hat.
280 n. Chr.
**Diokletian** erlässt im römischen Reich eine Höchstpreisverordnung für Drogen: während ein Pfund Opium 150 Denare kosten darf, ist dieselbe Menge **Hanfharz (Haschisch) für maximal 80 Denare** zu haben.
Das Mittelalter: Karl der Große und die Assassinen
750 n. Chr.
In zwei deutschen Rezepten taucht Hanf (**“Hanov-samo“**) auf. Die germanischen Stämme übernehmen das Wissen um die Heilkraft des Cannabis.

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

Karl der Große macht 798 n. Chr. den Hanfanbau in all seinen Ländern zur Pflicht
798 n. Chr.
**“Karl der Große“ macht Hanfanbau in all seinen Ländern zur Pflicht**. Dieses wegweisende Edikt zeigt die strategische Bedeutung des Hanfs für das Frankenreich – sowohl für Textilien als auch für die Seefahrt.
900 n. Chr.
Cannabis wird in den arabischen Ländern und im Mittelmeerraum als **Rauschmittel** verwendet. Die islamische Welt entdeckt die psychoaktiven Eigenschaften der Pflanze.

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

1090 n. Chr.
**Hassan Ibn Sabbah Scheikh al Dschebl** (Der Alte vom Berg) auf der Festung Alamut züchtet sich in Persien eine „Terroristen“-Gruppe. Hier ist der Ursprung der **Assassinen-Legende**. Vermutlich nahmen die Assassinen (Shiitische Sekte) Haschisch als eine Art Dopingmittel oder auch zu einer Art Meditation, bevor sie ihre Attentate durchführten.
Die Assassinen-Legende

1236 wurde diese Sekte durch die Mongolen und deren Einnahme der Festung zerstört. Das französische Wort **’assassins’** steht in der Übersetzung für Meuchelmörder; auch die Bezeichnung **’Haschaschins’** für die Haschischbenutzer stammt aus dieser Zeit.

800 – 1200 n. Chr.
Der **Hanfanbau erreicht in England seinen Höhepunkt**. Die britischen Inseln werden zu einem Zentrum der europäischen Hanfproduktion.
1144 n. Chr.
Die **Mauren gründen die erste Papierfabrik in Europa**. Sie nutzten den Hanf nahe der Stadt **Xativa** (wie sativa) in der Provinz Alicante. Bald folgten die anderen Länder Europas und produzierten Hanflumpenpapier, wie die Chinesen schon 1000 Jahre zuvor.
Verfolgung und Inquisition
ca. 1200 n. Chr.
In **Zentralafrika** entdecken die Einwohner die berauschende Wirkung des Hanf-Rauches. Kreuzfahrer führten zwischen 1100 und 1300 verschiedene Hanfsorten in Europa ein.

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

Der erste „Krieg“ gegen Cannabis

Die **Inquisition verbietet im 12. Jahrhundert in Spanien und im 13. Jahrhundert in Frankreich** die Einnahme von Cannabis und anderen Pflanzendrogen. **Einzig der Alkoholrausch bleibt legal**. Wer aus welchen Gründen auch immer die Hanfdroge konsumiert, gilt fortan als **“Hexer“**.

1250 n. Chr.
**Beginn des Hanfanbaus in Island**. Selbst die nördlichsten Regionen Europas erkennen den Wert der vielseitigen Pflanze.

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

1320 n. Chr.
**Erster bekannter Gebrauch von Wasserpfeifen**. In Ägypten nennt man sie **Hookah**, im Raum des ehemaligen osmanischen Reiches wird sie **Nargileh** genannt. Diese Bezeichnung wird abgeleitet vom alten persischen Wort für Kokosnuss – **nargil**.
1253 – 1378 n. Chr.
Begann ein **125-jähriger Krieg gegen den Haschischmissbrauch in Kairo**. Selbst im Stadtpark wurde Hanf angebaut. Um gegen die Raucher vorzugehen, begann man mit der Verbrennung der Pflanzen, Folter und Ermordung der Bürger. **Mit Zangen wurden den Haschischrauchern die Zähne ausgerissen**. Das änderte jedoch bis heute nichts am Haschischkonsum.
1378 n. Chr.
**Erster großer Repressionsangriff auf Kiffer**: Emir Soudon Sheikhouni lässt sämtliche Hanfpflanzen zerstören; den Haschern werden sämtliche Zähne ausgerissen, bevor sie eingekerkert werden.
Renaissance und Buchdruck
1390 n. Chr.
**Eröffnung der ersten Papiermühle in Nürnberg** zur Massenpapierherstellung. Das Papier wurde überwiegend aus zumeist hanfhaltigen Alttextilien (Lumpen) hergestellt.

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

1430 n. Chr.
**Johanna von Orléans (Jeanne d’Arc)** wird von einem geistlichen Gericht beschuldigt, verschiedene **“Hexenkräuter“**, darunter auch Hanf, angewendet und daraufhin Stimmen gehört zu haben.

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

Johannes Gutenberg druckt 1455 seine berühmte 42-zeilige Bibel auf feinstem Hanfpapier
1445 – 1455 n. Chr.
**Johannes Gutenberg** druckt in Mainz seine 42-zeilige Bibel. Etwa **150 dieser Gutenberg-Bibeln bestehen aus feinsten Hanfpapier**, 30 Exemplare aus Pergament. Erst chemische Verarbeitungsverfahren ermöglichten ab 1850 den Aufschluss von Holz zur Papierverarbeitung.
1484 n. Chr.
**Papst Innozenz VIII** verkündet, dass Hanf ein **“unheiliges Sakrament der Satansmesse“** sei. Die kirchliche Verfolgung von Cannabis erreicht einen neuen Höhepunkt.
Das 16. Jahrhundert: Entdeckungen und Seefahrt
1500 n. Chr.
**Europäische Expeditionen nach Afrika** schwärmen von der Drogenwirkung des Hanf. In Europa genießt der Hanf großes Ansehen; hoch dosierte Berauschungen sind ein wichtiger Teil der Heilkunst.
1505 n. Chr.
**Mohammed Babur** (Babur der Große), später der erste indische Großmogul, beschreibt seinen Gebrauch von Hanf- und Opiumtinktur.
um 1540 n. Chr.
**François Rabelais** beschreibt in Frankreich ausführlich botanische und psychoaktive Eigenschaften von Cannabis (er nennt das Kraut **“Pantagruelion“**). Ein Rezept von 1540 empfiehlt: **“So es felet an optio nim Hampf“** (Wenn Opium fehlt, nimm Hanf).
1542 n. Chr.
**Leonard Fuchs** zeichnet in der Schweiz ein Exemplar von Cannabis sativa für sein Kräuterbuch **“De Historia Stirpum“**, in dem er die Pflanze und deren Anwendungsspektrum ausführlich beschreibt.
1530 – 1545 n. Chr.
**Spanier führen in der Neuen Welt den Hanfanbau ein**. Amerika wird zur neuen Hanf-Kolonie der europäischen Mächte.
Heinrich VIII. und der strategische Hanfanbau

**Heinrich der VIII. befiehlt Englands Bauern Hanf- und/oder Flachsanbau**. Zu dieser Zeit werden in England bereits **Cannabis-Präparate** für verschiedenste medizinische Anwendungen eingesetzt. Die Briten erkennen die strategische Bedeutung des Hanfs für ihre Seemacht.

Das Goldene Zeitalter der Seefahrt

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert benötigten die Holländer bis zu 100 Tonnen Hanf, um ein einziges Schiff seeklar zu machen
15. Jahrhundert – Beherrschung der Meere

Im 15. Jahrhundert hat sich der Kampf um die Macht in Westeuropa in einem **Kampf um die Beherrschung der Meere** gewendet. Spanien, Holland und England beneideten den Orient um seine Reichtümer, die Venedig über die Seidenstraße erreichten.

So brauchte man jede Menge Hanf, um aus den langen, kräftigen Fasern **Segeltücher und Tauwerke** herzustellen, die widerstandsfähig genug waren, um die Reise in den Orient zu überstehen. **Holland übernahm bald die Seemacht, zumal es in der Hanfindustrie führend wurde.**

100
Tonnen Hanf pro Schiff im 17. Jahrhundert
11.000
Segelschiffe der holländischen Flotte
24
Hektar Hanf pro Bauer (Heinrich VIII.)
Die Briten und ihre Hanf-Strategie

Die Briten waren in einer schwierigeren Lage als Holländer oder Spanier, denn sie benötigten den Hanf zusätzlich, um ihre **Militärmacht aufrecht erhalten** zu können. **Heinrich der Vierte** forderte alle Bauern auf, für jede 24 Hektar mit Hanf oder Flachs zu bepflanzen. Auch **Königin Elisabeth die Erste** wiederholte dieses Edikt im Jahr 1563.

Ohne die arbeitsteilige, industriemäßig betriebene Hanfwirtschaft wäre die Seemachtsstellung Venedigs im Mittelmeer oder die der Hanse in der Ostsee nicht denkbar gewesen. **Die Takelage der Kriegs- und Handelsschiffe verschlang Unmengen an Hanf.**

Meine hanfroten Augen nach innen senkend
lebe ich Dich im Rausch
und die Welt habe ich hinter mir gelassen.
Bom Shankar!
Dir zu Ehren hebe ich mein Dschillum an meine Stirn,
um in Dir aufzugehen.
Am nama Shiva!

— Nepalesische Hymne an Gott Shiva (15. Jahrhundert)
Die Neue Welt und die Gründerväter
16./17. Jahrhundert
Mit der Einführung von **Tabak und Kaffee**, später auch durch das Aufkommen der Branntweindestillation verliert Cannabis als Droge an Bedeutung. **Als Lieferant für Seile, Textilien und Öl bleibt Hanf jedoch unverzichtbar**.
1619 n. Chr.
Gerichtliche Anordnung in **Hartford, Connecticut**: **“Jede Familie innerhalb dieser Kolonie soll sich einen Löffel voll Hanfsamen beschaffen und noch in diesem Jahr aussäen“**. Amerika wird zur Hanf-Nation.

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert

22. Februar 1732
**George Washington, Hanfbauer und Präsident** – In einem Tagebucheintrag ist vermerkt, dass er zur Zeit der **Absonderung der männlichen von den weiblichen Pflanze** zugegen sein wollte. Dies ist auch der Zeitpunkt, wo die weibliche Pflanze die **Harzproduktion erhöht**.
13. April 1743
**Thomas Jefferson**, amerikanischer Präsident und **Hanfzüchter**, wird geboren. Beide Gründerväter Amerikas waren überzeugte Hanfbauern und erkannten die strategische Bedeutung der Pflanze für die junge Nation.
1837 – 1901
Während der Herrschaft von **Königin Victoria** gewinnt in der englischen Welt die medizinische Anwendung von Hanf ungemein an Bedeutung. Es handelt sich um **Viktorias Lieblingsmedikament** (Monatsbeschwerden, Migräne).

Das Erbe von Jahrtausenden

Die Geschichte des Hanf bis zum 18. Jahrhundert zeigt eine bemerkenswerte Kontinuität: Von den antiken römischen Ärzten über Karl den Großen bis zu den amerikanischen Gründervätern – Cannabis war stets ein geschätzter Begleiter der Menschheit.

**Medizin, Seefahrt, Papierherstellung, Textilien** – kaum eine Pflanze war so vielseitig und strategisch wichtig wie der Hanf. Selbst Verfolgung durch die Inquisition und drakonische Strafen konnten seine Bedeutung nicht schmälern.

Die großen Seemächte Holland, Spanien und England verdankten ihre Dominanz nicht zuletzt dem Hanf. Ohne die robusten Hanfseile und -segel wären die Entdeckungsreisen und der Welthandel undenkbar gewesen.

Was wir aus dieser Geschichte lernen können: Cannabis war nie nur eine „Droge“, sondern immer ein unverzichtbarer Rohstoff der Zivilisation. Die Versuche, diese Pflanze zu verteufeln, sind historisch gesehen die Ausnahme, nicht die Regel.

Von cannabinus

Gebt den Hanf Frei!!!

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